Über uns

Zum Deutschen Reha-Tag haben sich Leistungserbringer- und Leistungsträgerorganisationen der medizinischen, beruflichen und sozialen Rehabilitation zusammengeschlossen. Als Initiatorenkreis bilden sie eine gemeinsame Plattform auf der Bundesebene. Gemeinsames Ziel ist es, die Bedeutung der Rehabilitation als ganzheitliche Leistung zur Förderung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten zu erläutern und darzustellen. Eine Übersicht der Initiatoren finden Sie im Menüpunkt Initiatoren des Reha-Tages. Ebenso eine Übersicht der Organisationen, die uns ideell unterstützen.

Gleichzeitig ist jeder vierte Samstag im September Deutscher Reha-Tag.  Kliniken, Einrichtungen und Organisationen der Rehabilitation sind eingeladen an und um diesen Tag Veranstaltungen durchzuführen, die über Rehabilitation informieren und die gemeinsame Netzwerke fördern. Der Veranstaltungskalender auf dieser Webseite gibt einen Überblick über die diesjährigen Aktionen.

Interview mit Initiatoren – DRV Bund, Brigitte Gross

Die DRV Bund ist Gründungsmitglied des Deutschen Reha Tags. Warum hat sich die Rentenversicherung von Anfang an für dieses Bündnis engagiert?

Der DRV Bund ist es von je her wichtig, der Rehabilitation einen besonderen Stellenwert zu geben. Gegenüber Politik, Fachöffentlichkeit und Öffentlichkeit überhaupt war und ist es notwendig, immer wieder deutlich zu machen, wie wichtig Rehabilitation für selbstbestimmte Teilhabe und Erhalt von Beschäftigungsfähigkeit ist. Diese Öffentlichkeitsarbeit geschieht am besten gemeinsam mit Leistungsträgern, Leistungserbringern und Betroffenenorganisationen.

Was ist aus Ihrer Sicht wichtig daran, bundesweit Veranstaltungen zu bündeln und sichtbar zu machen?

Initiativen wie der Reha-Tag tragen dazu bei, durch regionale Veranstaltungen, z. B. Tage der offenen Tür in Reha-Einrichtungen, die Rehabilitation dort bekannt zu machen, wo sie stattfindet, im direkten Umfeld unserer Versicherten. Der Reha-Tag hat darüber hinaus als Dachmarke Bedeutung gewonnen. Durch bundesweite Veranstaltungen können zentrale Botschaften der Rehabilitation über alle Initiatoren und Unterstützer hinweg nach außen getragen werden.

Welche Ziele hat die DRV in Bezug auf Rehabilitation in den nächsten 10 Jahren?

Die Rentenversicherung verfolgt aktuell vielfältige innovative Entwicklungsthemen im Bereich der Rehabilitation. Der Fokus liegt dabei einerseits auf proaktiven Zugangsstrategien zur Reha. Daneben werden wir unser Leistungsangebot weiterentwickeln. Hier setzen wir auf die Gestaltung eines flexiblen Leistungsspektrums, das den individuellen Bedarfen unserer Versicherten gerecht wird. Das bedeutet für uns auch, die Differenzierung der Reha-Leistungen weiter voranzutreiben und vor allem auch die Erwartungen, Vorstellungen und Lebensumstände der Versicherten mit einzubeziehen, um zukunftsfähige Leistungen anbieten zu können. Mit der Prävention haben wir einen zusätzlichen wichtigen Baustein in unser Leistungsportfolio aufgenommen, den wir weiter ausbauen werden. Ebenso relevant für uns ist es, die nachgehenden Leistungen wie Nachsorge oder Stufenweise Wiedereingliederung im Blick zu behalten und weiterzuentwickeln, um den Übergang aus der Rehabilitation ins Erwerbsleben erfolgreich zu gestalten.

Interview mit Initiatoren – Bundesverband Geriatrie e.V., Ansgar Veer

Was bewegte den Bundesverband Geriatrie als Initiator des Deutschen Reha-Tags mitzuwirken?

Der Reha-Tag bietet eine bundesweite Plattform für Rehabilitationskliniken mit verschiedenen Veranstaltungsformaten die Öffentlichkeit über Angebote und die Wirksamkeit von Rehabilitation zu informieren. Diese Veranstaltungen richten sich an BürgerInnen, Ärzte, Unternehmen und Politiker, aber sie dienen auch der Vernetzung der an der Rehabilitation beteiligten Akteure -auf lokaler, regionaler und auf Landesebene. Durch diese Inhalte berührt der Reha-Tag wichtige Ziele, die auch der Bundesverband Geriatrie verfolgt. Die Unterstützung und Mitgestaltung im Initiatorenkreis dieser bewährten Initiative für die Rehabilitation ist für den Bundesverband Geriatrie damit ein Muss.

Was unterscheidet die geriatrische Rehabilitation von anderen Rehabilitationsangeboten?

Es gehört zu den Besonderheiten der medizinischen Rehabilitation für alte Menschen, dass sie es in der Therapie häufig aufgrund von Multimorbidität - also vieler gleichzeitig vorliegender Erkrankungen - mit sehr individuellen Teilhabeeinschränkungen zu tun hat. Daraus ergibt sich ein besonderer Bedarf an spezieller Diagnostik und Therapie, der in der Disziplin der Geriatrie mit einem besonders geschulten interdisziplinären und multiprofessionell aufgestellten Team seine besondere fachliche Entsprechung findet. Dieser spezialisierte Ansatz ist erforderlich, damit eine möglichst früh beginnende und ausreichend lang durchgeführte geriatrische Rehabilitation umfassend die Potenziale des alten Menschen erkennen und nutzen kann. Behandlungsziel ist es, dem alten Menschen wieder zu weitgehender Selbstbestimmung, Selbstständigkeit und somit weitest möglicher sozialer Teilhabe zu verhelfen. Insbesondere der Wiedereingliederung in das vertraute Wohnumfeld kommt hierbei eine zentrale Bedeutung zu.

Was kann geriatrische Rehabilitation in Anbetracht der zu erwartenden Bevölkerungsentwicklung leisten?

Die starke Zunahme der Zahl hochbetagter Menschen (80 Jahre und älter) ist auch mit einem Anstieg der Zahl multimorbider alter Patienten verbunden. Diese Menschen weisen ein hohes Risiko auf, hilfs-und pflegebedürftig zu werden. An dieser Stelle kann geriatriespezifische rehabilitative Versorgung einen wesentlichen Beitrag zur Teilhabesicherung hochbetagter Menschen leisten. Wesentliche Ziele der geriatrischen Rehabilitation sind eine Verhinderung, Verzögerung oder Verminderung von Pflegebedürftigkeit und der Erhalt, die Verbesserung oder die Wiedergewinnung der Selbstständigkeit bei der Bewältigung des Alltags, der selbstbestimmten Teilhabe und der Lebensqualität, insbesondere durch einen möglichst langfristigen Verbleib in der gewünschten privaten Umgebung.

Interview mit Initiatoren - Gotthard Lehner, stellv. Vorsitzender buss e.V.

Der Bundesverband für stationäre Suchtkrankenhilfe (buss e.V.) engagiert sich seit vielen Jahren für den bundesweiten Reha-Tag. Warum ist diese Initiative für den Verband und seine Mitglieder so wichtig?

Wir sind der Überzeugung, dass die Behandlung von Menschen mit Teilhabestörung stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt werden muss. Als Bundesverband für suchtkranke Menschen ist es uns ein Anliegen, dass Menschen mit einer Suchtmittelabhängigkeit nicht weiter ausgegrenzt werden, sondern ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft finden. Vielen Menschen ist nicht bekannt, dass es bei einer Suchtmittelabhängigkeit die Möglichkeit einer Rehabilitation gibt und so eine wirklich qualifizierte Behandlung stattfinden kann.

Im Jahr 2016 fand erstmalig die Auftaktveranstaltung für den Deutschen Reha-Tag in einer Reha-Klinik statt. Damit wurde eine Region und eine Indikation bzw. ein Schwerpunktthema exemplarisch in den Mittelpunkt des Reha-Tages gestellt. Was versprechen sich die Initiatoren mit dieser Schwerpunktsetzung?

In den Jahren zuvor fand die zentrale Auftaktveranstaltung immer in Berlin statt. Damit war es eine zusätzliche Veranstaltung im Berliner Veranstaltungskalender mehr und die Gefahr in der Menge der vielen Angebote unterzugehen war groß. In den Regionen wird eine solche Veranstaltung viel bewusster wahrgenommen. Die Einrichtungen können besucht werden und ihr Leistungsspektrum kann praxisnah vor Ort erlebt werden.

Welche Themen und Rahmenbedingungen waren für die Auftaktveranstaltung am 13. September 2016 in der Fachklinik Haus Immanuel wichtig?

Wir wollten in unserer Region die Problematik von Suchtmittelabhängigkeit zum Thema machen. Als Spezialklinik haben wir darauf hingewiesen, dass es für Frauen durchaus sinnvoll sein kann, sich in eine geschlechtsspezifische Behandlung zu begeben, vor allem, weil wir auch die Möglichkeit anbieten, dass Frauen ihre Kinder bis zum zwölften Lebensjahr  mitbringen können. Während der Therapiezeit der Patientinnen werden sie dann in unserer Kita „Kindernest“ betreut bzw. können die umliegenden Schulen besuchen. Ein weiterer Fokus zielte auf die Frage nach den Zugangswegen für die Suchtrehabilitation: Warum kommen viele Menschen erst nach erheblichen körperlichen und schweren seelischen Problemen in der Reha an? Wie könnte das Suchthilfesystem schneller reagieren? Wichtig ist uns auch immer wieder, die Effizienz der Sucht-Reha zu thematisieren? Lohnt sich die Behandlung von suchtmittelabhängigen Menschen? Das können wir mit einem klaren „Ja“ beantworten. Eine Prognos Studie belegt, dass jeder Euro der in die Rehabilitation gesteckt wird, einen volkswirtschaftlichen Nutzen von vier Euro erzielt. Und auch der Problematik einer leistungsgerechten Vergütung haben wir uns gestellt. Warum müssen immer wieder Suchtkliniken schließen?

Die begleitende Pressearbeit zur Auftaktveranstaltung des Deutschen Reha-Tags ist für die verstärkte öffentliche Wahrnehmung des Themas Rehabilitation wichtig. Wo wurde über die Veranstaltung berichtet und welche Effekte konnten Sie für die Klinik und das Suchthilfesystem in der Region beobachten?

Durch die Teilnahme von Vertretern aus der Politik, der Rentenversicherung aber auch von Fachleuten aus der Rehabilitation war das Interesse der Medien groß. Es wurde ein Fernsehbeitrag erstellt (der auf Youtube zu finden ist), aber natürlich auch in der regionalen Presse darüber berichtet. Ich denke, das Suchthilfesystem in der Region hat von dieser Veranstaltung profitiert, in dem die Möglichkeiten der Behandlung von suchtkranken Menschen sehr offen diskutiert wurden.

Im diesem Jahr wird der Reha-Tag das Thema ‚Reha und Arbeit‘ in den Mittelpunkt stellen. Welche Bedeutung hat das in Ihrer Klinik bzw. in der Suchtrehabilitation? Planen Sie dazu im Laufe des Jahres eine spezielle Veranstaltung?

Die Wiedereingliederung ins Berufsleben ist eine zentrale Aufgabe der Rehabilitation, in der Suchtrehabilitation hat sie bereits eine sehr lange Geschichte. Bei den caritativen Gründungen der „Trinkerheilstätten“ - so der damalige Name der Kliniken - standen die drei A‘s im Mittelpunkt: Abstinenz, Andacht, Arbeit. Bereits vor über einhundert Jahren war der Gründergeneration bewusst, dass Arbeit eine wichtige Komponente im Leben ist. Dieses Anliegen wurde bis heute natürlich immer weiter professionalisiert und mit dem BORA Konzept - Beruflich orientierte Rehabilitation Abhängigkeitskranker -  weiterentwickelt. Und selbstverständlich werden wir anlässlich des Reha-Tags 2018 wieder eine Veranstaltung durchzuführen, allerdings sind wir noch im Planungsstadium.